APS-Kongress 2017 - Das Programmheft als PDF-Datei APS-Kongress 2017 —
Das Programmheft

(PDF-Datei, 3 MB)

Programm


Mittwoch, 31. Mai 2017

19.30 Uhr

Begrüßung und Eröffnung

Martin Grabe
1. Vorsitzender der APS

Weihbischof Ulrich Boom
Diözese Würzburg

Dr. Dr. h.c. Adolf Bauer
Bürgermeister der Stadt Würzburg

20.00 Uhr

Eröffnungsvortrag

Samuel Pfeifer

Das Fremde - in mir, in dir, in Gott

Samuel Pfeifer Das Fremde erzeugt in uns eine Ur-Angst, die zurückreicht bis in die Anfänge der Menschheitsgeschichte. In dieser Angst liegen die Ursachen für bewaffnete Konflikte und unsägliches Leid. Minenfelder, Sperrzäune und Mauern zeugen vom Bemühen der Völker um vermeintliche Sicherheit.

Doch das Fremde liegt nicht nur im andern, es findet sich auch in uns selbst. Das Erschrecken über den eigenen Schatten lässt Menschen innere Mauern bauen. Wenn sie bersten, dann kann es zur Katastrophe kommen. Die Konflikte des Lebens werden unweigerlich auch auf Gott übertragen. Sein Wesen, so sehr wir uns einen liebenden Vater wünschen, scheint oft auch dunkle Seiten zu haben. Der Umgang mit dem Fremden erfordert ein Aushalten von Spannungen in einer unsicheren Welt, das aktive Gestalten eines menschenwürdigen Miteinanders und das Vertrauen auf einen Gott, der dazu verhilft, den Fremden bei uns und das Fremde in uns zu integrieren.

Prof. Dr. med. Samuel Pfeifer war 25 Jahre lang Chefarzt der Klinik Sonnenhalde in Riehen bei Basel und ist nun in freier Praxis tätig.

Zudem lehrt er im Masterstudiengang "Religion und Psychotherapie" an der Evangelischen Hochschule Tabor in Marburg ( www.studium-religion-psychotherapie.de). Durch seine Artikel und Bücher zur Integration von Psychiatrie und Seelsorge wurde er über die Grenzen der Schweiz hinaus bekannt. Besuche in Psychiatrischen Kliniken in Osteuropa, Asien, Afrika und Süd-Amerika entfachten sein Interesse für "Global Mental Health" und transkulturelle Psychiatrie.

Er ist Mitherausgeber des Buches "Psychotherapie und Spiritualität"

(Springer-Verlag) und im Editorial Board der Zeitschrift "Mental Health, Religion & Culture".


Donnerstag, 01. Juni 2017

8.30 Uhr

Morgendliche Einstimmung:

Andacht und Musik (Frau Dekanin Dr. Edda Weise)

9.00 Uhr

Pause

9.15 Uhr

Wilfried Härle

Fremd wie dein Name sind mir deine Wege

Vom unbekannten, verborgenen, fremden Gott

Wilfried Härle Mit dem Reden vom unbekannten, verborgenen, fremden Gott bewegt man sich auf einem sprachlich und historisch weiten Feld, an das auch Formeln wie "abwesender Gott", "Tod Gottes" oder "Nichtexistenz Gottes" angrenzen. All das spielt schon im Alten und Neuen Testament, aber auch in der christlichen Theologiegeschichte und in der abendländischen Philosophiegeschichte von Anfang an eine gewichtige Rolle - etwa bei Markion von Sinope, Dionysius Areopagita, Nikolaus von Kues, Martin Luther und Adolf von Harnack. In diesem Vortrag sollen aber nicht die geschichtlichen Quellen, sondern vor allem die gegenwärtigen Herausforderungen und Anknüpfungsmöglichkeiten, die sich damit verbinden, im Zentrum des Nachdenkens stehen. Dabei wird sich zeigen, dass dem Reden vom fremden Gott eine Ambivalenz eignet, die wohl unauflösbar ist und sowohl erschrecken wie auch faszinieren kann.

Prof. Dr. theol. Wilfried Härle, geb. 1941, hatte Professuren für Systematische Theologie und neuere Theologiegeschichte in Marburg (1978-1995) sowie für Systematische Theologie/Ethik in Heidelberg (1995-2006) inne.

Bis 2010 Vorsitzender der Kammer für öffentliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Deutschland. 2002-2005 Mitglied der Enquetekommission des Deutschen Bundestages für Ethik und Recht der modernen Medizin. In den letzten Jahren vor allem beschäftigt mit Fragen der Medizinethik und des (christlichen) Menschenbildes sowie mit der Lehre von der Kirche und dem heutigen Reden von Gott.

Einschlägige Veröffentlichungen:

Dogmatik, Berlin/Boston (1995) 2012;

Spurensuche nach Gott. Studien zur Fundamentaltheologie und Gotteslehre, Berlin/New York 2008;

Warum Gott? Für Menschen, die mehr wissen wollen, Leipzig (2013), 2014.

10.30 Uhr

Pause

11.15 Uhr

Thomas Fuchs

Das Eigene und das Fremde

Zur Dialektik der Identität

Thomas Fuchs Das Verhältnis von Eigenem und Fremden ist ein zentrales Thema der Psychologie und Psychiatrie. Die Entwicklung des Selbst ist durch eine fortwährende Auseinandersetzung mit dem Fremden und Anderen charakterisiert. Darüber hinaus ergreifen psychische Krankheiten die Betroffenen als ein Fremdes, das im eigenen Selbsterleben auftaucht, oder sie haben ihre Ursachen in Fremdheitserfahrungen, etwa in Situationen der Diskriminierung oder Traumatisierung. Der Vortrag gibt zunächst einen überblick über die Phänomenologie des Fremden und untersucht dann die Dialektik von Selbst und Fremdheit in ihrer Bedeutung für die personale Identität. Auf dieser Grundlage werden schließlich drei Formen psychischer Störungen als Fremdheitserfahrungen thematisiert, nämlich die Borderline-Störung, die Magersucht sowie paranoide Störungen bei Migranten.

Prof. Dr. med. Dr. phil. Thomas Fuchs, Psychiater und Philosoph, ist Karl-Jaspers-Professor für philosophische Grundlagen der Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Heidelberg. Forschungsschwerpunkte: Phänomenologische Psychologie, Psychopathologie und Anthropologie, Theorien der Verkörperung und der Neurowissenschaften.

12.30 Uhr

Mittagspause

14.30 Uhr

Michael Borkowski

Vom Fremden zum Mitglied

Interviews mit Flüchtlingen

Michael Borkowski Der lange Weg vom Fremden zum Mitglied in unserer Gesellschaft bietet für Migranten und Helfer Chancen und Risiken. Der Prozess der sozialen und psychischen Integration verändert Migranten, Ehrenamtliche und Fachkräfte gleichermaßen. Immer wiederkehrende soziale Regelabläufe und psychische Prozesse bestimmen das Leben von Migranten auf dem Weg zu einer gelingenden Integration. Die Herausforderung für Helfer besteht darin, diese Prozesse in der Arbeit mit Migranten wahrzunehmen, zu beachten und sich darauf einzulassen. In diesem Vortrag geht es um ein Verständnis von Integration als einem gemeinsamen Weg von Migranten und Helfern. Eine wesentliche Ressource auf diesem Weg ist dabei der achtsame und sensible Umgang mit der eigenen und fremden Spiritualität. Interviews mit Betroffenen im Rahmen des Vortrages zeigen, wie ein gemeinsamer Weg von Migranten und Helfern aussehen kann.

Michael Borkowski ist Theologe und Pädagoge. Leiter der Beratungspraxis Aufwind in Laatzen/Hannover. Therapeutischer Seelsorger, Systemischer Berater und Familientherapeut, Therapeut für Psychotraumatologie und Traumatherapie. Vorsitzender des Leitungskreises der Flüchtlingsheime Hildesheimer Straße und Grazer Straße in Hannover. Therapeutisch tätig in der Einzelberatung und Gruppenarbeit für traumatisierte Flüchtlinge. Supervision und Coaching für Ehrenamtliche und Fachkräfte. Vorträge und Seminare. Mitglied im Forum der Religionen der Stadt Hannover.

15.45 Uhr

Pause

16.30 Uhr

Yassir Eric

Begegnung mit dem Islam

Begegnung mit Muslimen

Yassir Eric Was ist der Islam eigentlich? Wie sind Muslime und woher wissen wir das? Glauben Christen und Muslime an den gleichen Gott?

Was bedeuten Volksislam und Mystizismus?

Dieser Vortrag wird Ihnen helfen, Muslime besser zu verstehen und einen Einblick in den islamischen Glauben zu bekommen.

Yassir Eric, Pastor und M.A. in Missiologie und Interkulturelle Theologie, ist Dozent an der Akademie für Weltmission (AWM) und Leiter des Europäischen Instituts für Migration, Integration und Islamfragen (EIMI) in Korntal bei Stuttgart. Geboren und aufgewachsen ist er in einem islamischen Land. Mit 10 Jahren ging er in die "Khalwa", ein Internat, in dem der Koran gelehrt und auswendig gelernt wird. Im Alter von 18 Jahren erlebte er eine einschneidende Kehrtwende. Er wurde erstmals hautnah und existentiell mit dem Christentum konfrontiert und konvertierte aus dem Islam zum christlichen Glauben. Erfahrungen mit Glaubensgesprächen unter Muslimen und arabisch sprechenden Christen, der pastoralen Begleitung von Konvertiten und der interkulturellen Beratung. Intensive Beschäftigung mit der Präsenz des Islam in Europa, den aktuellen politischen Entwicklungen in der islamischen Welt als auch mit der Situation der Christen dort.

18.00 Uhr

Abend zur freien Gestaltung

Angebote zum Kennenlernen unserer Gastgeberstadt Würzburg:

Stadtführungen

Start: 18.00 Uhr am Kongresszentrum. Dauer: Eine Stunde
Kosten: 7,50 Euro, zahlbar bei Beginn an die Stadtführer/-in.

http://www.wuerzburger-nachtwaechter.de

Schifffahrt auf dem Main (sehr zu empfehlen!)

Abfahrt: 19.30 Uhr (pünktlich!) am Kai dem Kongresszentrum gegenüber.
Dauer: max. drei Stunden. Kosten: 16,- Euro, zahlbar an Bord.
Essen und Trinken an Bord à la carte.

http://www.schiffstouristik.de/abendliche_rundfahrt.html


Freitag, 02. Juni 2017

8.30 Uhr

Morgendliche Einstimmung:

Andacht und Musik (Herr Jürgen Mette)

9.00 Uhr

Pause

9.15 Uhr

Seminarblock A

10.45 Uhr

Pause

11.30 Uhr

Seminarblock B

13.00 Uhr

Mittagspause

14.30 Uhr

Seminarblock C

16.00 Uhr

Pause

16.45 Uhr

Seminarblock D

18.15 Uhr

Pause

20.00 Uhr

Abend der Kultur und Begegnung mit

2Flügel

Kopfkino

In die Fremde, Phantasie & Seele reisen

2Flügel Ein Abend mit 2Flügel ist kein Konzert, ist keine Lesung und auch kein Poetry-Slam, sondern all das gleichzeitig. Christina Brudereck liebt es, Geschichten zu erzählen. Ben Seipel liebt Musik. Und sein Instrument, den Flügel. Beide sind virtuos auf ihrem Gebiet.

Christina Brudereck ist Theologin und Schriftstellerin. Sie verbindet Kultur, Politik und Theopoesie.

Benjamin Seipel ist Pianist und Dozent an der Hochschule für Musik Köln. Seine Improvisationen sind inspiriert von Soul, Jazz und Klassik, Kinderliedern und Hymnen.

Der Eintritt ist im Kongressbeitrag enthalten!

Gerne können Sie für € 12,- zusätzliche Karten für Freunde oder Familienangehörige an der Abendkasse erwerben.


Samstag, 03. Juni 2017

8.30 Uhr

Morgendliche Einstimmung:

Andacht und Musik (Frau Prof. Dr. Andrea Klimt)

9.00 Uhr

Pause

9.15 Uhr

Franz Gmainer-Pranzl

Das Fremde und die Philosophie.

Eine historische und systematische Betrachtung zur "erkenntnistheoretischen Fremdenangst"

Franz Gmainer-Pranzl Die Herausforderung des Fremden betrifft nicht nur Politik und Migrationswissenschaften, sondern in besonderer Weise auch das philosophische Denken. Dieser Beitrag geht von der These aus, dass die europäische Philosophie der Neuzeit von einer "erkenntnistheoretischen Fremdenangst" geprägt ist.

Im ersten Teil kommen einige markante Positionen der europäischen Moderne zur Sprache, angefangen von René Descartes Versuch, im erkennenden Subjekt (und nicht im "Anderen") die unerschütterliche Grundlage für Erkenntnis zu finden, bis hin zur Philosophie der Aufklärung, die sich gegen Autorität und "Fremdbestimmung" wendet. Der zweite Teil benennt jene Momente, die eine "erkenntnistheoretische Fremdenangst" befördern, vor allem den Anspruch einer kolonialen Vernunft und die Plausibilität einer Logik der "Identität". Der dritte Teil schließlich stellt einen zeitgenössischen philosophischen Ansatz vor, der Erkenntnis und Wahrnehmung vom Anspruch des Fremden her entwickelt: die "Phänomenologie des Fremden" (Bernhard Waldenfels).

Univ.-Prof. Dr. theol. Dr. phil. Franz Gmainer-Pranzl ist Priester der Diözese Linz und seit 2009 Professor und Leiter des Zentrums "Theologie Interkulturell und Studium der Religionen" an der Universität Salzburg. 2011 Habilitation im Fach Fundamentaltheologie an der Universität Innsbruck.

Forschungsschwerpunkte: Interkulturelle Philosophie, Phänomenologie des Fremden, Theologie Interkulturell, Theologie im globalen Süden, Globalisierungs- und Entwicklungstheorie.

Mehrere Veröffentlichungen zum Thema des Fremden.

10.30 Uhr

Pause

11.15 Uhr

Mihamm Kim-Rauchholz

Das Fremde in der Heiligen Schrift

Kulturspezifische Zugänge

Mihamm Kim-Rauchholz Die Bibel hat die westliche Kultur geprägt wie kaum ein anderes Buch. Heute macht sich ihr Einfluss auch in anderen Kulturen dieser Welt wie z.B. in Asien, Mikronesien oder Afrika immer mehr bemerkbar. Während die Kernbotschaft der Bibel, das Evangelium von Jesus Christus, für alle Kulturen eine gleichbleibende Bedeutung innehat, fällt gleichzeitig jedoch auch auf, wie unterschiedlich in den verschiedenen Kulturen manche konkreten Bibeltexte oder theologische Themen verstanden und eingeordnet werden. Diese Vielfalt an Auslegungen und Auswirkungen im Alltag wird v.a. dann relevant, wenn Christen aus verschiedenen Kulturen zusammen in Gemeinden leben. Im Vortrag soll es um solche kulturspezifischen Zugänge zur Bibel gehen und wie diese Vielfalt kein Hindernis, sondern (notwendige) Bereicherung für das gemeinsame Leben von Christen sein kann.

Prof. Dr. theol. Mihamm Kim-Rauchholz wurde in Südkorea geboren. Theologiestudium in Seoul, Tübingen und Heidelberg, Professorin für Griechisch und Neues Testament an der Internationalen Hochschule Liebenzell, Johann-Tobias-Beck-Preisträgerin, Missionarin in Mikronesien.

Verheiratet mit Dr. Manuel Rauchholz, 3 Töchter.

12.30 Uhr

Verabschiedung

12.45 Uhr

Ende des Kongresses